E-Barometer: E-Auto-Markt in Deutschland nimmt wieder Fahrt auf
7. August 2025Der deutsche Privatmarkt für Elektroautos erlebt eine bemerkenswerte Trendwende. Nach einer Phase der Zurückhaltung entscheiden sich private Autofahrer wieder vermehrt für den Umstieg auf Elektromobilität. Dies geht aus dem jüngsten E-Barometer der Versicherung HUK hervor, das eine deutliche Zunahme bei Fahrzeugwechseln und im Gesamtbestand verzeichnet. Diese Entwicklung ist besonders relevant, da der Privatmarkt gut 90 Prozent des gesamten Automarktes ausmacht und somit entscheidend für den Erfolg der E-Mobilität in Deutschland ist.
E-Barometer: Positive Entwicklung nach Prämien-Aus
Die Zahlen sprechen für sich: Im zweiten Quartal 2025 wechselten laut E-Barometer rund ein Drittel mehr private Autofahrer von einem Verbrenner auf ein reines E-Auto als im Vorquartal. Insgesamt lag die Umstiegsquote bei Fahrzeugwechseln bundesweit bei 5,5 Prozent, nach 4,1 Prozent im ersten Quartal 2025. Dieser Wert erreicht damit wieder ein Niveau, das zuletzt Ende 2023 vor dem Wegfall der staatlichen Kaufprämie beobachtet wurde. Auch der Gesamtbestand an privaten E-Autos zog spürbar an und erreichte 3,2 Prozent, wobei die Dynamik der Bestandszunahme die höchste seit über einem Jahr ist. Parallel dazu zeigt sich ein Umschwung in der öffentlichen Meinung: Erstmals bewerten 48 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren Elektroautos als „sehr gut“ oder „gut“, verglichen mit nur 37 Prozent Anfang 2024.
Regionale Unterschiede: Norddeutschland im Aufwind, Baden-Württemberg schwächelt
Regional betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede: Schleswig-Holstein und Niedersachsen fahren beim verstärkten Privatinteresse an Elektroautos im abgelaufenen Quartal vorneweg und verzeichnen die kräftigste Zunahme der E-Auto-Quoten am gesamten Autobestand. Bayern und Rheinland-Pfalz folgen mit etwas Abstand. Überraschenderweise schwächelt das Autoland Baden-Württemberg, das erstmals seit Beginn der HUK-Auswertung im Jahr 2020 nicht mehr unter den Top-3-Ländern beim Elektro-Anteil im Privatbestand ist. Der Abstieg begann Mitte 2022. Auch bei den Umstiegen auf reine Elektroantriebe hinkt Baden-Württemberg mit nur 4,9 Prozent sogar noch hinter dem Bundesschnitt von 5,5 Prozent zurück, während Niedersachsen (6,6 Prozent), Bayern (6,4 Prozent) und Hessen (5,9 Prozent) hier führend sind. Die ostdeutschen Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt bilden weiterhin das Schlusslicht.
Demografische Unterschiede: Junge Männer als Treiber
Auch bei den Einstellungen zu Elektroautos zeigen sich demografische Unterschiede: Jüngere Menschen unter 40 Jahren sind mit 65 Prozent positiver eingestellt als die über 40-Jährigen (39 Prozent), und diese Schere öffnet sich weiter. Männer sind generell deutlich positiver gegenüber E-Autos eingestellt als Frauen (55 Prozent zu 41 Prozent). Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Männern unter 40 Jahren und Frauen ab 40 Jahren, wo die positiven Bewertungen um mehr als das Doppelte auseinanderliegen (73 Prozent zu 34 Prozent). Diese Diskrepanz spiegelt sich laut E-Barometer auch in der Kaufabsicht wider: Nur zehn Prozent der Frauen ab 40 Jahren wollen künftig grundsätzlich nur noch ein reines Elektroauto anschaffen, während diese Quote bei Männern unter 40 Jahren mit 31 Prozent dreifach höher ist.
Vielfahrer überzeugt von E-Mobilität
Ein weiterer interessanter Trend ist die wachsende Begeisterung von Vielfahrern für die Elektromobilität. Wer mehr als 20.000 Kilometer im Jahr fährt, bewertet E-Autos zu 54 Prozent positiv, was fast einer Verdopplung gegenüber Anfang 2024 (29 Prozent) entspricht. Tatsächlich ziehen auch die Anschaffungen von E-Autos bei denen an, die vergleichsweise viel fahren: Im zweiten Quartal 2025 stiegen 6,1 Prozent der Fahrer mit mehr als 12.000 Jahreskilometern auf Elektroantriebe um, ein Drittel mehr als bei Wenigfahrern. Die Tatsache, dass 80 Prozent der E-Auto-Besitzer, die mehr als 12.000 Kilometer pro Jahr fahren, beim Fahrzeugwechsel erneut ein reines E-Auto wählen, deutet darauf hin, dass ihre Erfahrungen mit Reichweite und Lademöglichkeiten auf längeren Strecken offensichtlich positiv sind.
Gebrauchte E-Autos als Game Changer
Für die weitere Dynamik des privaten E-Auto-Marktes könnten gebrauchte Elektroautos eine entscheidende Rolle spielen. Eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren plädiert dafür, dass auch gebrauchte E-Autos bei einer staatlichen Förderung berücksichtigt werden. Jeder Dritte aus dieser Gruppe erklärt sogar, dass dann für ihn persönlich die Anschaffung eines Elektroautos wahrscheinlicher wird. Angesichts der Tatsache, dass Käufe von Gebrauchtwagen um ein Vielfaches häufiger sind als Neuzulassungen im deutschen Automarkt, könnte eine stärkere Präsenz von Elektroautos auf dem Gebrauchtwagenmarkt signifikante Effekte haben – insbesondere auch für den Klimaschutz.
Foto: mit KI generiert




