TÜV Report: Hohe Mängelquote bei schweren Brummis

TÜV Report: Hohe Mängelquote bei schweren Brummis

25. September 2025 0 Von Jürgen Rinn

Die Zahl der Nutzfahrzeuge mit gravierenden Mängeln nimmt weiter zu. Die Verschlechterung bei der HU betrifft alle Gewichtsklassen. Schlusslichter sind erstmals die schweren Lkw über 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Die dicken Brummis, hatten bisher immer die geringsten Mängel beim TÜV Nutzfahrzeug Report. Jetzt fallen sie erstmals hinter die Leichteren zurück. Bei den Fahrzeugen zwischen 7,5 und 18 Tonnen steigt die Quote der erheblichen Mängel (EM) zum ersten Mal an. Das sind Faktoren, die beim Gesamtanstieg dieser Mängelquote von 0,6 Prozentpunkten auf 19,5 Prozent schwer wiegen, so ist es im TÜV Nutzfahrzeug Report 2025 nachzulesen.

Das schlechtere Ergebnis wird wie immer in der Beleuchtung und dem Ölverlust durch mangelnde Wartung, höheres Durchschnittsalter und hoher Wettbewerbsdruck aufgelistet. Aber Verbesserungen gibt es aber auch. Insgesamt bestehen 73,9 Prozent der Anhänger mit mehr als 3,5 Tonnen die Hauptuntersuchung (HU) ganz ohne Mängel.

Weniger Wartung und Unsicherheit führen zu nachlassender Fürsorge

„Die Mängelquoten steigen ordentlich an. Besonders bei den schweren Nutzfahrzeugen. Sie schneiden erstmals sogar schlechter ab als die im Lieferverkehr eingesetzten leichten Transporter. Das gibt uns schon zu denken. Zwar steigt auch das Durchschnittsalter, aber auf der anderen Seite sinken die Laufleistungen deutlich.“

Christian Egger, Leiter Truck und Bus bei TÜV SÜD

Für den Experten sind beides deutliche Hinweise darauf, dass gespart wird. In besseren Ertragszeiten sorgten durchgehende Wartungsverträge beispielsweise dafür, dass gerade die Schwersten trotz vergleichsweise hoher Laufleistungen in einem Top-Zustand waren.

Die große Zurückhaltung bei Investitionen in den Fuhrpark ist mannigfaltig. Der schwere Nutzfahrzeugverkehr kann aufgrund seines vielfältigen Einsatzes nicht so einfach auf alternative Antriebe umgestellt werden wie es bei ÖPNV oder bei den Pkw möglich ist. Dazu merkt Egger an: „Die Verunsicherung ist groß, Investitionen in neue Fahrzeuge werden verschoben. Die Kosten für den Unterhalt der Fahrzeuge, wie etwa eine CO2-basierte Maut, eilen dem Angebot am Markt voraus. Alles zusammen führt zu älteren Flotten und zu nachlassender Fürsorge.“

Die Schwersten sind weiter im Sinkflug

Lange Zeit hatten die Schwersten bei den positiven Ergebnissen stets am besten abgeschnitten. Zwar stehen die schweren Lkw jenseits der 18 Tonnen bei der ersten Untersuchung noch gut da. 87,1 Prozent aller TÜV-Debüttanten verlassen die Prüfhalle ganz ohne Mängel. Das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als beim TÜV Nutzfahrzeug Report 2023. Jetzt fallen immer mehr ältere Lkw durch. Auch hier gilt mangelnde Wartung und Verunsicherung. Nach fünf Jahren sind noch 64 Prozent der Schwerlastzugmaschinen, Kipper, Betonmischer oder andere nicht selten auch auf dem Bau eingesetzte Fahrzeuge ohne erhebliche Mängel. Vor zwei Jahren waren es noch 68 Prozent. Somit hat jedes fünfte Nutzfahrzeug erhebliche Mängel.

„Die Fahrzeuge im Bauhauptgewerbe haben besondere Belastungen. Bei den Logistikern mit schweren Zugmaschinen wird der Konkurrenzdruck durch Billiganbieter immer härter. Das, sowie die fehlende Investitionssicherheit in Sachen neuer Technologien sorgen dafür, dass die Betreiber in Sachen Wartung auf die Bremse drücken. Etwa bestehende Wartungsverträge auslaufen lassen,“ erklärt Egger.

Die angehängten Fahrzeuge werden immer besser

Das macht ein Blick auf die Trailer deutlich. Während 6,2 Prozent der leichten gezogenen Einheiten von 3,5 bis 10 Tonnen nach einem Jahr erhebliche Mängel aufweisen, sind es bei den Schweren ab 10 Tonnen mit 6,4 Prozent kaum mehr. Auch vor diesem Hintergrund bietet der Blick auf die Wartungsintervalle eine gute Orientierung.

Mit gut 2,3 Millionen analysierten Hauptuntersuchungen (HU) von Januar 2023 bis Dezember 2024 ist der jährlich erscheinende TÜV Report Nutzfahrzeuge der größte unabhängige Ratgeber. Die Mängelquoten zeigen, welche Fahrzeuge sich über die Jahre am besten halten.

Foto: Conny Kurz – Herausgeber TÜV SÜD AG

Hier klicken und Beitrag bewerten