
VDA: Strafzölle sind fatales Signal
2. April 2025Die Reaktionen auf die ab dem 2.4.25 gültigen Strafzölle der USA für Autos und Autoteile fallen in Europa negativ aus. Der VDA sieht darin eine erhebliche Belastung und ruft zum Dialog auf.
„Die angekündigten zusätzlichen US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die nicht in den USA hergestellt werden, sind ein fatales Signal für den freien und regelbasierten Handel. Die Zölle, die ab dem 2. April in Kraft treten sollen, stellen eine erhebliche Belastung sowohl für die Unternehmen als auch die eng verwobenen globalen Lieferketten der Automobilindustrie dar – mit negativen Folgen vor allem für die Verbraucherinnen und Verbraucher – auch in Nordamerika.“
VDA Präsidentin Hildegard Müller
Strafzölle haben erhebliche Auswirkungen
Die zusätzlichen Zölle treffen dabei nach Ansicht des VDA auch die US-Wirtschaft direkt. Die Konsequenzen würden am Ende Wachstum und Wohlstand auf allen Seiten kosten. Die bisherige Zollpolitik des US-Präsidenten sei daher vor allem auch in der US-Industrie auf deutliche Kritik gestoßen. Fakt ist aber auch: Zusätzliche Zölle haben zudem erhebliche negative Auswirkungen auf die Exporte aus der EU in die USA.
Dazu präsentiert der VDA einige Zahlen: 86 Prozent der Unternehmen im automobilen Mittelstand gehen demnach davon aus, dass die Zölle der USA gegen zahlreiche Staaten und Regionen auch sie betreffen werden. Dabei geht etwa jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) davon aus, indirekt betroffen zu sein, zum Beispiel durch Lieferanten und Kunden. Rund jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) sieht sich direkt betroffen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Umfrage, die der VDA unter den Automobilzulieferern sowie den mittelständisch geprägten Herstellern von Anhängern, Aufbauten und Bussen im Februar 2025 durchgeführt hat.
90.000 Arbeitsplätze bei deutschen Zulieferern in den USA
In den USA beschäftigt die deutsche Automobilindustrie laut VDA rund 138.000 Mitarbeiter. Davon arbeiten 48.000 bei den Automobilherstellern und weitere 90.000 bei deutschen Zulieferern. Die USA sind ein wichtiger Bestandteil im Produktionsnetzwerk der deutschen Automobilindustrie, auch von dort aus wird der Weltmarkt bedient. 2024 haben die deutschen Hersteller über 844.000 Fahrzeuge in den USA produziert, wovon rund die Hälfte in alle Welt exportiert wurden. Somit profitiert auch der Automobilstandort USA vom internationalen Handel und dem Engagement der deutschen Automobilindustrie.
Im Jahr 2024 wurden Pkw im Wert von 6,7 Mrd. Euro von den USA nach Deutschland exportiert (136.000 Pkw). Damit liegen Pkw „Made in the US“ gemessen am Wert hinter der Tschechischen Republik und Spanien auf Platz 3 der deutschen Importstatistik. In die Europäische Union exportierten die USA 2024 Pkw im Wert von über 10 Mrd. Euro bzw. 233.600 Stück.
Verhandlungen gefordert
Beim VDA heißt es: „Grundsätzlich gilt: Die transatlantische Partnerschaft und freier und fairer Handel sind wirtschaftlich für beide Seiten von großer Bedeutung und ein Garant für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze auf beiden Seiten des Atlantiks.“
Der VDA fordert nun als Sprachrohr seiner Mitglieder umgehende Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein bilaterales Abkommen. Dieses würde ein Forum für die Erörterung der verschiedenen tarifären und nichttarifären Hemmnisse für Automobilprodukte bieten und könnte zu einem ausgewogeneren Vorgehen führen. Auch wären Gespräche über gesetzliche Regelungen, Normen und Zertifizierungen wünschenswert – dies würde für beide Seiten des Atlantiks Vorteile bringen und die Effizienz auf beiden Seiten erhöhen. Der Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen ist ein wesentlicher Treiber für weitere Investitionen und Arbeitsplätze in den USA. Exporterfolg und Importe sind komplementär und die zwei Seiten des wirtschaftlichen Erfolgs. Hierfür sollten sich die US-Regierung und EU gemeinsam einsetzen.
In der ersten Amtszeit von US-Präsident Trump konnten sich die EU und die USA nach intensiven Diskussionen auf eine Lösung des damaligen Handelskonfliktes einigen. Das zeigt, dass in Verhandlungen Lösungen gefunden werden können, die den wechselseitigen Interessen Rechnung tragen. Die EU muss jetzt geschlossen und mit entsprechender Stärke auftreten und weiterhin die Bereitschaft zu Verhandlungen signalisieren. Das Risiko eines globalen Handelskonfliktes – mit negativen Auswirkungen für die Weltwirtschaft und Wachstum, Wohlstand, Arbeitsplätze und Verbraucherpreise ist auf allen Seiten hoch.“