Nachhaltigkeit: immer wichtiger für Unternehmen

Nachhaltigkeit: immer wichtiger für Unternehmen

29. August 2019 6 Von Dr. Frauke Hewer

Nachhaltigkeit und nachhaltiges Handeln wird auch für Unternehmen immer wichtiger, egal in welchem Markt und in welcher Branche. Auf der Konferenz Life Cycle Workshop wollte man Antworten auf die Frage finden, wie man Kreisläufe schließen und Nachhaltigkeit von Unternehmen tatsächlich messen kann.

Konkrete Fallstudien und Impulse für eine kontinuierlich steigende Produkt- und Prozesstransparenz standen im Mittelpunkt des zweiten Life Cycle Workshops, der von der ifu Hamburg GmbH veranstaltet wurde. Mit dem Ziel, Umweltwirkungen zu reduzieren, erhielten die Teilnehmer anhand von Praxisberichten und Analysen detaillierte Einblicke in aktuelle Projekte aus den Bereichen Automobil- und Luftfahrtindustrie, Telekommunikation und Logistik.

Nachhaltigkeit hat einen Nutzen

Wie können Nachhaltigkeitsinformationen nutzbringender im Unternehmen eingesetzt werden? Martina Prox, Expertin für Strategien in Sachen Nachhaltigkeit, eröffnete die Konferenz mit Einblicken in die komplex verzahnten Kommunikationswege unterschiedlichster Nachhaltigkeitsinformationen. Diese sind für viele Abteilungen im Unternehmen interessant, zum Beispiel im Product Design oder Einkauf. Leider fehlt oft der Austausch oder die Daten sind nicht so aufbereitet, dass andere Abteilungen die richtigen Schlüsse daraus ziehen können.

Anhand eines Beispielunternehmens schlüsselte Prox auf, wer wann welche Informationen benötigt, welche Informationen inzwischen standardisiert vorliegen und wo es Verbesserungspotenzial in der Nutzung vorhandener Nachhaltigkeitsdaten gibt. Erst wenn wir es schaffen diese Daten umfassend zu harmonisieren, standardisieren und aufzubereiten, wird jede einzelne Abteilung in die Lage versetzt, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und ihren Teil zu einer nachhaltigen Wertschöpfungsketten beizutragen. 

Ist E-Mobilität tatsächlich ökologisch optimal?

Ist die E-Mobilität tatsächlich das ökologisch optimale Fortbewegungsmittel der Zukunft? Diese Frage beantwortete Dr.-Ing Kirsten Biemann vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Bei dieser Thematik steht die Batterie im Fokus: Welche Leistung ist erforderlich, um mit möglichst geringen Umweltwirkungen Spaß am Fahren zu haben? Für den Stadtverkehr und die Langstrecke wurden unterschiedliche Szenarien berechnet. Unter der Annahme, dass sich die Produktion von Batteriezellen weiterhin dynamisch entwickelt und weniger Rohstoffe und Energie bei steigender Leistung erreicht werden, wird der Break-Even bei einer 35 kWh Batterie bereits nach 30.000 km, und bei einer Batterie mit 60 kWh Leistung nach etwa 50.000 km erreicht. 
Nach diesem analytischen Überblick erläuterte Elena Wege von der Robert Bosch GmbH, wie in ihrem Unternehmen zirkuläre Wirtschaftsstrategien durch Life Cycle Assessments (LCA) und Life Cycle Costing entwickelt werden.
Und Vincent Ackenhausen von Altran Deutschland berichtete über ökologische Aspekte in der Luft- und Raumfahrt und gab erste Einblicke in das aktuelle Airbus LCA-Projekt.

Ökobilanz: man muss schon genau hinschauen

Was ist besser für unsere Umwelt: Wegwerf- oder Stoffwindeln? Anhand der Ökobilanz von vier unterschiedlichen Produktpaaren gab Marten Stock von der ifu Hamburg GmbH einen fundierten Einstieg in die Life Cycle Assessment (LCA) Thematik. Er zeigte auf, dass das intuitive Gefühl nicht immer die richtigen Antworten liefert. Durch die Betrachtung des gesamten Lebensweges eines Produktes wird eben nicht ausschließlich der Einsatz von Rohmaterialien berücksichtigt, sondern – unter anderem – auch die tatsächlich nutzbare Menge eines Endproduktes sowie die Energie, die für die Produktion oder das Recycling benötigt wird. Dass Ressourceneffizienz im Produktionsprozess auch ein wichtiger Faktor ist, unterstreicht auch folgendes Beispiel. Ein Sportshirts aus neu produziertem PET (Polyester) kann im Vergleich zu einem Shirt aus recyceltem Material umweltfreundlicher sein, wenn die Energieeffizienz von Ersterem während der Produktion höher ist.

ISO 14001: effektives Umweltmanagement?

ISO 14001 – ein Rahmenwerk für effektive Umweltmanagementsysteme
Wie kann der ökologische Lebenszyklus eines metallverarbeitenden Unternehmens im Rahmen eines Umweltmanagementsystems abgebildet werden? Dieser Frage ging Mladen Boskic vom Technologieführer Doppelmayr Seilbahnen auf den Grund; er erforschte die Lebenszyklusperspektive seines Unternehmens unter Berücksichtigung der ISO 14001. Mit seiner Arbeit betrat er akademisches Neuland; Daten Referenzprojekte anderer Unternehmen lagen noch nicht vor. 
Gleichwohl standen große Datenmengen zur Verfügung und ein intensiver Austausch mit anderen Unternehmen, die sich ebenfalls mit der Implementierung von ISO 14001 beschäftigen, kam zustande.
Boskic visualisierte seine Ergebnisse in mengenproportionalen Sankey Diagrammen und überzeugte seine Geschäftsleitung: Viele der gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die strategische Planung des Seilbahnproduzenten ein. 

Ökologischer Warentransfer für die Nachhaltigkeit

Wie können die Lieferketten der Automobilzulieferer bei interkontinentalen Transporten so gestaltet werden, dass sie die Umwelt weniger belasten als in der traditionellen Form? Timo Galitz vom Logistik-Spezialisten CHEP stellte die Ergebnisse einer umfassenden Fallstudie vor. Mit einem Cradle-to-Grave-Ansatz (von der Wiege bis zur Bahre) wurden die Umweltwirkungen der Lieferketten des Automobilherstellers Ford bei Nutzung eines Mehrwegbehälters mit den klassischen Einwegverpackungen (Palette und Wellpappenkarton) verglichen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Neben deutlichen Einsparungen beim Abfall, Holz-, Wasser- und Energieverbrauch zeigen die Ergebnisse beim Mehrweg-Transportbehälter 5 – 17 Prozent weniger CO2-Emissionen.

Jan Hedemann, Geschäftsführer der ifu Hamburg GmbH betonte zum Abschluss der Konferenz: „Klimawandel und Ressourcenverknappung machen deutlich, dass Unternehmen global und schnellstmöglich handeln müssen, um unsere Umwelt lebenswert zu erhalten. Das wird jedoch nur dann funktionieren, wenn wir Softwaretools haben, in die kontinuierlich wechselnde Parameter und tagesaktuelle Daten schnell und einfach einfließen können.

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