Künstliche Intelligenz im Reifenhandel

Künstliche Intelligenz im Reifenhandel

26. August 2019 6 Von Dr. Frauke Hewer

Reifengroßhändler tyre1 setzt in seinem Geschäft verstärkt auf künstliche Intelligenz. Diese Technologie sieht man im Unternehmen als entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Bereits vor zwei Jahren setzte tyre1 auf eine Kooperation mit der Technische Universität Dortmund in den Bereichen Data Analytics und Künstliche Intelligenz. Auch Reifenhersteller Continental war mit von der Partie.

„Im hiesigen Reifenmarkt unterliegen nicht zuletzt die Großhändler einem hohen Wettbewerbsdruck“, betont Jörg Skubich, Leiter Marketing tyre1. „Ihm standzuhalten erfordert, sich für Kunden erkennbar von den Konkurrenten zu unterscheiden. Dazu können das intelligente Analysieren von Kundendaten sowie das Nutzen der daraus resultierenden Erkenntnisse maßgeblich beitragen.“

tyre1 analysiert jetzt Daten analysieren und nutzt sie auch

Der Begriff Data Analytics bezeichnet ein wissenschaftlich basiertes Vorgehen, bei dem Software-Programme große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen unter vorgegebenen Aspekten untersuchen. Aus den Ergebnissen lassen sich Schlussfolgerungen ziehen, welche die Verantwortlichen eines Unternehmens wirkungsvoll darin unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Marian Bodenstedt vom Lehrstuhl Unternehmensführung an der TU Dortmund leitete das gemeinsame Projekt mit tyre1. Wissenschaftlicher Begleiter war Professor Dr. Andreas Engelen, der inzwischen an der Heinrich-Heine-Universität forscht und lehrt.

Kunden besser verstehen

Das Hauptziel der Kooperation lag darin, das Verhalten der Kunden des Großhändlers noch besser zu verstehen, um noch individueller auf deren unterschiedliche Bedürfnisse eingehen zu können. Um diese Vorgabe zu erreichen, wandten die Wissenschaftler verschiedene Verfahren des Marketing und Sales Analytics in der Praxis an. Dadurch konnte tyre1 die Bedürfnisse seiner Kunden besser verstehen. Auf den analysierten Daten basierend kann er seinen Kunden nun bessere Angebote machen, die auf ihren individuellen Bedarf noch besser zugeschnitten sind.

Die Maschine lernt

Das Thema des maschinellen Lernens ist derzeit in aller Munde und dennoch wissen viele Unternehmen nicht wie sie die neuartigen Technologien auf ihre Problemstellungen anwenden können. Im Kern geht es darum, Algorithmen (eindeutig definierte Handlungsvorschriften zur Lösung eines Problems) zu entwickeln, die anhand von Trainingsdaten ein statistisches Modell der Realität kreieren. Im Fall von tyre1 wurde ein Algorithmus angelernt, um das zukünftige Kaufverhalten von Kunden zu prognostizieren. Das heißt: Anhand einer Vielzahl von Merkmalen aus Stamm-, Transaktions-, und Interaktionsdaten mit den Kunden identifiziert er verschiedene Zielgruppen, die mit einer ermittelbaren Wahrscheinlichkeit innerhalb einer bestimmten Zeit bestimmte Produkte oder Serviceleistungen ordern werden. Anhand der Ergebnisse kann tyre1 seine Kommunikationsmaßnahmen und Vertriebsaktivitäten nun viel gezielter steuern.

Zum Abschluss des Projektes zeigen sich die Praktiker und die Wissenschaftler sehr zufrieden. „Durch die Kooperation machten wir im Bereich Data Analytics einen großen Schritt nach vorne, was uns allein so schnell nicht gelungen wäre“, resümiert Jörg Skubich. Und Marian Bodenstedt ergänzt: „Durch den Austausch mit der Praxis konnten wir die Verfahren flexibel weiterentwickeln und zeitnah einem Härtetest un-terziehen.“

Für die Zukunft sieht Professor Dr. Andreas Engelen noch viel Potential, „denn die Digitalisierung im Mittelstand und besonders im Bereich Data Analytics steht noch sehr am Anfang“.

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