Maschinenbau: Service als entscheidender Faktor

Maschinenbau: Service als entscheidender Faktor

21. Mai 2021 0 Von Dr. Frauke Hewer

Der deutsche Maschinenbau ist im Umbruch, ähnlich wie die Automobilbranche. So lassen sich die strategischen Empfehlungen einer Unternehmensberatung gut auf die Auto-Industrie übertragen. Was wir vom Maschinenbau für den Service lernen können.

Was auf der digitalen Hannover Messe im April deutlich zu spüren war, untermauert die Unternehmensberatung bachert&partner mit ihrer aktuellen Studie: Die deutsche Maschinenbauindustrie, eine Traditionsbranche, befindet sich im Umbruch. Das Whitepaper zur Studie zeigt eine detaillierte Marktanalyse und gibt auf dieser Basis vier strategische Handlungsempfehlungen für Maschinenbauunternehmen. Einer der wichtigsten, aber meist unterschätzten Wertschöpfungsbereiche sei demnach das Servicegeschäft, sind die Experten sicher.

Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger

„Noch bis 2018 verbuchte der mittelständisch geprägte deutsche Maschinenbau Umsatzrekorde. Seither ein deutlicher Abwärtstrend, die Covid-19-Pandemie fungiert dabei als Brandbeschleuniger.“

Hans-Ulrich Bachert, Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung bachert&partner

Zwar korrigierte der VDMA seine Produktions-Wachstumsprognose für 2021 im Zuge der Hannover Messe von vier auf sieben Prozent nach oben“, so Bachert weiter, „ein detaillierter Blick auf den deutschen Markt verrät jedoch, dass die wirtschaftliche Situation für einen Großteil der Unternehmen auch in den kommenden Jahren angespannt sein wird.“

Wirtschaftliche Situation bleibt angespannt

Die Ursachen dafür liegen unter anderem in einer fortschreitenden Fragmentierung der Branche und der sehr deutlichen Verschiebung der weltweiten Marktanteile zugunsten anderer Länder, speziell China. Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Maschinenbau: Strategien im ‚Post-Corona-Zeitalter'“ von bachert&partner.

Abhängig von Unternehmensgröße und Branchensegment haben diese Entwicklungen existenzielle Einflüsse auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Maschinenbauunternehmen. Vor allem kleinere Unternehmen und speziell die Branchen Papier- und Druckmaschinen sowie Textil-, Walz- und Gießereitechnik stehen massiv unter Druck. „Wer seine Lage nicht frühzeitig erkennt und proaktiv Maßnahmen ergreift, steht schnell mit dem Rücken zur Wand“, sagt Dr. Martin Habert, Fachexperte und Projektmanager bei bachert&partner.

Die Unternehmensberatung zeigt in ihrem Whitepaper vier konkrete Handlungsempfehlungen – Fokussieren, Investieren, Downsizing und Transformieren – für Unternehmen mit unterschiedlichen Ausgangslagen auf und identifiziert dabei das Servicegeschäft als einen entscheidenden Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Warum das so ist:

Service im Maschinenbau: Outsourcing ist eine Option

Immer mehr Instandhaltungsaufgaben werden fremdvergeben. Dabei erwarten die Kunden herstellerübergreifende technische Fähigkeiten und Ressourcen und die Bereitschaft, auch Verantwortung – beispielsweise für die Anlagenverfügbarkeit – zu übernehmen. Mittelständische Maschinenhersteller sind jedoch häufig „nur“ auf die eigenen Produkte fokussiert und scheuen sich, zusätzliche Risiken zu übernehmen. Gewinner von Outsourcing-Maßnahmen sind daher häufig etablierte Facility-Management-Unternehmen und Industriedienstleister sowie die großen OEM (Original Equipment Manufacturer). Der mittelständische Maschinenbauer gerät in Gefahr, in die zweite Reihe gedrängt zu werden.

Anwendungskompetenz wichtiger als technisches Produkt-Know-how

Durch eine Verbesserung ihrer Produktionsprozesse können Unternehmen ihre Produktionseffizienz um zehn bis 30 Prozent steigern (Quelle: OEE Institute). Weitere Optimierungspotenziale im Rahmen der Digitalisierung allein im Bereich der Fertigungskosten werden in ähnlicher Größenordnung erwartet (Quelle: Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik, kurz WGP). Maschinenhersteller können Ihre Kunden hierbei unterstützen, wenn sie entsprechende Service-Leistungen anbieten. Häufig haben sie aber vordergründig „nur“ technisches Know-how in Bezug auf ihre eigenen Produkte vorzuweisen und es fehlen produktionsrelevante Erfahrungen bezüglich der konkreten späteren Anwendung der Maschinen. Beratungsleistungen aus beispielsweise digital erfassten Maschinen- und Prozessdaten sind ohne diesen Einblick aber nicht möglich. Daraus resultiert: Service-Anbieter müssen Anwendungskompetenz aufbauen.

Der Service wird wieder lokal

Noch stärker als im Hardwaregeschäft verlagert sich die Wertschöpfung im Service in die Empfängerländer. Das hat zum einen externe Gründe, wie Handelspolitik, Gesetze und Normen oder Reisekosten und -einschränkungen. Zum anderen können interne Gründe, wie abnehmende Reisebereitschaft oder Work-Life-Balance-Erwartungen, dafür verantwortlich sein. Dr. Habert: „Serviceanbieter sollten entweder lokale Ressourcen aufbauen oder den digitalen Kundenzugang und digitale Leistungen stärken.“

Der Markt wird transparenter

Durch die zunehmende Markttransparenz – ein Ergebnis der Digitalisierung in nahezu allen Wirtschaftssektoren – sind die Alleinstellungsmerkmale der Maschinenhersteller bedroht. Weil Preise und Bezugsquellen für Ersatzteile zunehmend verfügbar werden, ist das margenstarke Ersatzteilgeschäft gefährdet. Zudem führen neue Technologien (z. B. 3D-Druck) dazu, dass Bauteile einfacher zu kopieren sind. Und häufig sind technische Informationen im Internet frei verfügbar und können von Service-Wettbewerbern genutzt werden. Dagegen müssen sich Maschinenhersteller mit Know-how-basierten Serviceprodukten, neuen Geschäftsmodellen, hoher Kundenbindung und kosteneffizienten Prozessen behaupten.

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