So werden PET-Flaschen zu Reifen

So werden PET-Flaschen zu Reifen

17. Juni 2021 0 Von Dr. Frauke Hewer

Reifenhersteller Michelin hat angekündigt, in Zukunft recycelte PET-Flaschen für die Reifenproduktion einsetzen zu wollen. Dabei setzt man auf Fasern aus farbigen Kunstoffflaschen, die man mit einer speziellen Technologie herstellen will. Partner bei diesem Verfahren ist die Firma Carbios.

Dreh- und Angelpunkt dabei ist das so genannte enzymatische Recycling, das Carbios anwendet. Damit soll Plastik zu hundert Prozent recycelt werden können. Michelin hat nun laut eigenen Angaben das enzymatische Recyclingverfahren von Carbios für PET-Kunststoffabfälle erfolgreich getestet und angewendet. Jetzt möchte man hochfeste Reifenfasern entwickeln, die die technischen Anforderungen des Reifen-Giganten erfüllen. Michelin und Carbios wollen damit einen großen Schritt in Richtung zu nachhaltigen Reifen gehen.

PET ist ein Kunststoff auf Erdölbasis, bei dem die verwendeten Monomere, Ethylenglykol und Terephthalsäure aus der Umwandlung von Erdöl stammen. Es ist das Rohmaterial für eine der wichtigsten Textilfasern, die zur Verstärkung von Reifen eingesetzt werden.

Weltneuheit: enzymatisches Recycling für Autoreifen

Herkömmliche thermomechanische Recyclingverfahren für komplexe Kunststoffe erreichen nicht die Hochleistungsqualität, die für pneumatische Anwendungen erforderlich ist. Mit den Monomeren aus dem Verfahren von Carbios, bei dem farbige und undurchsichtige Kunststoffabfälle wie Flaschen verwendet werden, lassen sich nach der Repolymerisation in PET hochfeste Fasern gewinnen. Sie erfüllen die Anforderungen von Michelin für den Einsatz in Reifen.

Die gewonnene technische Faser hat die gleiche Qualität wie Neuware, die mit den gleichen Prototypanlagen verarbeitet wird. Dieser hochfeste Polyester ist aufgrund seiner Bruchfestigkeit, Zähigkeit und thermischen Stabilität besonders gut für Reifen geeignet.

PET unendlich oft wiederverwerten

Mit dem enzymatischen Recyclingverfahren von Carbios stärkt Michelin seine nachhaltigen Ambitionen und trägt zum Eintritt von Reifen in eine echte Kreislaufwirtschaft bei. Michelin hat sich verpflichtet, bis 2030 40 Prozent und bis 2050 100 Prozent nachhaltige Materialien, aus erneuerbaren oder recycelten Quellen, einzusetzen.

Das enzymatische Recyclingverfahren von Carbios verwendet ein Enzym, welches das in verschiedenen Kunststoffen oder Textilien (etwa Flaschen, Tabletts oder Polyesterkleidung) enthaltene PET depolymerisiert. Mit dieser Innovation lassen sich laut Unternehmensangaben alle Arten von PET-Abfällen unendlich oft wiederverwerten. Mit dem Verfahren können auch Produkte aus 100 Prozent recyceltem und 100 Prozent recycelbarem PET hergestellt werden. Diese haben die gleiche Qualität, wie Produkte aus neuem PET.

„2019 verkündete Carbios die Herstellung der ersten PET-Flaschen mit 100 Prozent gereinigter Terephthalsäure (rPTA), die wir aus dem enzymatischen Recycling von PET-Abfällen gewonnen haben. Heute demonstrieren wir mit Michelin das ganze Ausmaß unseres Prozesses, indem wir aus demselben Kunststoffabfall recyceltes PET gewinnen. Dieses eignet sich für hochtechnische Fasern, wie sie Michelin in seinen Reifen verwendet.“

Alain Marty, Chief Scientific Officer von Carbios

Hintergrund

Jedes Jahr werden laut Michelin weltweit von allen Reifenherstellern zusammen 1,6 Milliarden Autoreifen verkauft. Für deren Produktion verarbeiten die Hersteller 800.000 Tonnen PET-Kunststofffasern. Bezogen auf Michelin sind das rund drei Milliarden Plastikflaschen pro Jahr, die das Unternehmen für die Herstellung seiner Reifen zu technischen Fasern recyceln könnte. „Wir sind stolz darauf, dass wir als erstes Unternehmen recycelte technische Fasern für Reifen hergestellt und getestet haben. Die Fasern stammen von farbigen Kunststoffflaschen, die wir mit der enzymatischen Technologie unseres Partners Carbios wiederverwerteten“, sagte Nicolas Seeboth, Direktor der Polymerforschung bei Michelin. „Die Tests haben belegt, dass diese Hightech-Fasern die gleiche Leistung erbringen wie die aus der Ölindustrie.“

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