Alternative Antriebe im Fuhrpark sind noch Mangelware

Alternative Antriebe im Fuhrpark sind noch Mangelware

28. Juli 2021 0 Von Jürgen Rinn

Alternative Antriebe im Fuhrpark werden mehr. Den größten Einfluss auf die Anschaffung entsprechender Fahrzeuge hat wenig überraschend die staatliche Förderung dieser Autos.

Wenn von Flotte oder Fuhrpark die Rede ist, handelt es sich um einen Teil der gewerblichen Zulassungen. Speziell in Firmenfuhrparks kommen weiterhin in hohem Maße Diesel-Pkw zum Einsatz, gut jeder zehnte Dienstwagen ist derzeit mit einem alternativen Antrieb ausgestattet – ein deutlich höherer Anteil als in der Vergangenheit. Jeder Zweite ist dabei ein Plug-In- Hybrid (PHEV), aber auch Mildhybride (MHEV) fließen in diese Gruppe mit ein. Auf die Frage, was für die Anschaffung von alternativen Antriebe im Fuhrpark spricht, wurden am häufigsten die günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen genannt. Im DAT-Barometer für den Monat Juli wurden Fuhrparkleiter daher danach befragt, wie es sich mit der Beschaffung von Pkw mit alternativen Antrieben verhält.

Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz

Die große Mehrheit der Fuhrparkleiter stellt Fahrern von elektrifizierten Fahrzeugen Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz zur Verfügung, 58 Prozent knüpfen die Beschaffung aber auch an bestimmte Bedingungen wie zum Beispiel Länge des Arbeitsweges. Jeder fünfte Fuhrparkleiter hat Dienstwagenberechtigte, die wieder zum klassischen Verbrenner zurückkehren möchten. Bei PHEV vermutet über die Hälfte der Fuhrparkleiter, dass einige ihrer Dienstwagenberechtigten diese Fahrzeuge kaum von außen laden, sondern wie einen klassischen Verbrenner fahren. Alternative Antriebe im Fuhrpark sind also oft eine Art Mogelpackung.

Zwei derzeit häufig diskutierte Punkte in der Autobranche sind E-Fuels und Auto-Abos. Von E-Fuels haben die meisten Fuhrparkleiter (78 Prozent) zumindest gehört, die wenigsten aber (6 Prozent), sich intensiv damit beschäftigt. Mit dem Thema Auto-Abos haben sich 41 Prozent eigenen Angaben zufolge schon auseinandergesetzt, bereits im Einsatz sind Abos erst bei einem Prozent der Befragten. Nur jeder fünfte Fuhrparkleiter sieht ein Abo als Alternative zum Leasing.

Nur 5,4 Prozent der Neuzulassungen waren echte Elektroautos

In seinem Report über den Fortschritt bei den alternativen Antrieben berichtet der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) für 2021 über den Stand der Neuzulassungen, der Lademöglichkeiten, die Verteilung der Antriebsarten und den Zusammenhang von Durchschnittsverdienst und Bestand an Elektrofahrzeugen. So betraf in Europa 2020 jede zehnte Neuzulassung ein batterieelektrisches Auto oder einen Plug-in-Hybrid. Diesen Trend werte ACEA als positiv, weist aber darauf hin, dass weiterer Zuwachs stark von der Zahl der Ladepunkte abhänge. ACEA beleuchtet alle Aspekte des Umbaus bei den Antrieben auf der Basis der eigenen Daten sowie der Daten von EAFO, EEA, Eurostat und IHS Markit.

Der ACEA weist in einer Statistik-Zusammenfassung darauf hin, dass insgesamt fast ein Viertel (24,5 Prozent) aller in 2020 neu zugelassenen Autos einen alternativen Antrieb verfügen. Darunter waren nur 5,4 Prozent rein batterieelektrische Fahrzeuge. Der Rest ergibt sich aus den unterschiedlichen Hybridsystemen, Gas (CNG, LPG) und Wasserstoff. Die Daten für den Fahrzeugbestand 2019 sahen noch deutlich schlechter aus: Da fuhren europaweit nur 0,3 Prozent aller Personenwagen rein elektrisch.

Steuerliche Anreize könnten alternative Antriebe im Fuhrpark pushen

Für Dienstwagenberechtigte besteht bei BEV- und PHEV-Fahrzeugen ein vergünstigter Steuersatz. Sie müssen je nach Kriterien nur 0,25 oder 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Diesen Anreiz wählten 74 Prozent der befragten Fuhrparkleiter (Top-Nennung), und auch 62 Prozent bestätigten, dass sie Anfragen von Dienstwagenfahrern zur Beschaffung solcher Pkw hätten. An zweiter Stelle wird mit 71 Prozent die grundsätzliche Verbesserung der CO2-Bilanz genannt. Die eigenen, firmeninternen CO2-Richtlinien sind für die Hälfte der Fuhrparkleiter ebenfalls ein wichtiger Beschaffungsgrund.

Bei den Kriterien für PHEV als Dienstwagen gaben 68 Prozent der Fuhrparkleiter an, dass ihren Dienstwagenberechtigten Lademöglichkeiten am Arbeitsplatz zur Verfügung stünden. Bei 58 Prozent ist die Bestellung von PHEV-Dienstwagen an bestimmte Bedingungen geknüpft (Länge des Arbeitsweges oder vorhandene Lademöglichkeit zu Hause).

Allerdings vermuten auch 53 Prozent der Fuhrparkleiter, dass einige der Dienstwagenberechtigten einen PHEV wie einen klassischen Verbrenner fahren, d. h. diesen nicht extern laden. Gestiegen sind bei 47 Prozent der Befragten durch PHEV im Fuhrpark die laufenden Kosten. Und: 21 Prozent haben Dienstwagenberechtigte, die wieder zu einem klassischen Verbrenner zurückkehren möchten.

Nachhaltigkeit wird im Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement immer wichtiger

Dazu merkt Axel Schäfer, Geschäftsführer Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V. an: „Sie ist heutzutage ein selbstverständlicher Teil der Unternehmensstrategie – oder sollte es sein. Unternehmen entscheiden nach ökologischen, aber notweniger Weise auch nach betriebswirtschaftlichen Kriterien. Mobilitätsanforderungen müssen erfüllt werden, die passenden Fahrzeuge oder Alternativen lieferbar sein. Deswegen kann eine Mobilitätswende auch kein radikaler Umbruch sein, sondern ist ein Prozess, der Übergangstechnologien, intelligente Lösungen und die richtigen politischen Rahmenbedingungen braucht.“

Alternative Antriebe, neue Technologien, Themen wie eFuels und neue Konzepte für betriebliche Mobilität sind ein Mittel, um den Weg zu einer nachhaltigen betrieblichen Mobilität zu bereiten. Die steuerlichen Anreize zeigen nach den vorliegenden Ergebnissen des DAT-Barometers Wirkung. Natürlich beeinflussen sie Entscheidungen in den Unternehmen. Allerdings sind die Förderungen häufig zu wenig differenziert, Beispiel Plug-In-Hybride. Das ist eher ein Geschenk an die Autoindustrie zur Erreichung der CO2-Ziele. Grundsätzlich ist die Förderung der E-Mobilität zwar gut, aber mit Blick auf den ökologischen Fußabdruck bei Plug-In-Hybriden eher eine Mogelpackung. Eine Förderung muss nach unserer Ansicht – und da stehen wir nicht alleine – an eine adäquate Stromnutzung von mindestens 50 Prozent gekoppelt werden.

Aber bei aller Kritik, die Förderung umweltfreundlicher Technologie an sich ist zu begrüßen. Doch wenn der Staat eingreift, sollte alles ein wenig strukturierter und auch Bedarfen der Unternehmen gerechter werden. Problem: Es ist gefährlich, Scheuklappen anzulegen, sich nur auf E-Mobilität zu fokussieren und den Blick auf andere alternative Antriebe nicht zu wollen. Alle Möglichkeiten, Emissionen zu reduzieren sollten gleich gefördert werden. Aber klar ist auch: Subventionierungen auf Dauer können nicht zielführend sein.“

Auto-Abos: im Fuhrpark kaum relevant

Auto-Abos werden seit wenigen Jahren intensiv in der Automobilbranche diskutiert. Gegen einen festen monatlichen Betrag wird die Nutzung von Pkw angeboten. Im Abopreis enthalten ist i. d. R. Versicherung, Wartung/Service (inkl. HU/AU) und Kfz-Steuer. Von allen befragten Fuhrparkleiter bestätigten 41 Prozent, dass sie sich bereits damit auseinandergesetzt haben. Bei einem Prozent bestehe aktuell bei Dienstwagenfahrern ein Abo. 21 Prozent aller Befragten sehen in einem Auto-Abo eine Alternative zum klassischen Leasingvertrag, 79 Prozent verneinten dies.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Bosch

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