Autofahrer mögen Connected Car Services – fürchten aber Datenlecks

Autofahrer mögen Connected Car Services – fürchten aber Datenlecks

26. Januar 2021 0 Von Jürgen Rinn

Die Studie „Connected Car Services in Deutschland“ der PFH Private Hochschule Göttingen analysiert die aktuell im Fahrzeug verfügbaren Connected Car Services aus der Kundenperspektive.

Die Vernetzung des Alltags schreitet immer weiter voran. Inzwischen hat das Internet auch Einzug in das Automobil gehalten und ermöglicht den Fahrzeuginsassen die Nutzung zahlreicher neuer Dienste und Funktionen. Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger sieht „großes Potenzial in der Konnektivität von Fahrzeugen.“

Connected Car Services: 82 Prozent finden sie gut

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) zum Thema „Connected Car Services in Deutschland“. In der Untersuchung äußern sich immerhin 82 Prozent der Befragten positiv zu solchen Diensten. Doch die Weiterentwicklung von solchen Angeboten stößt auf Hindernisse, insbesondere weil es vielen möglichen Kunden solcher Angebote an Vertrauen bezüglich Datensicherheit und Datenverwendung mangelt. So äußerten mit 68 Prozent gut zwei Drittel der für die Studie Befragten Bedenken in dieser Hinsicht.

„Das wertvollste am Automobil war im 20. Jahrhundert der Verbrennungsmotor. Das wertvollste im Automobil des 21. Jahrhunderts wird die Fähigkeit zum Sammeln, Vernetzen und Steuern von Datensätzen sein.“

Gabor Steingart, Journalist

Denn auch im Bereich der Mobilität bilden Daten mehr und mehr die Grundlage wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Mehrwerte. Allerdings sehen insbesondere viele Bundesbürger die Datenfrage kritisch, sie sind verunsichert, was etwa mit den Daten geschieht, die von modernen Fahrzeugen unterwegs erhoben und gespeichert werden, fürchten sich vor „Datenkraken“ und dem „Big Brother“. Somit sind Entwicklungen, welche die Mobilität von morgen ausmachen, mit einem Akzeptanzproblem konfrontiert.

Hohes Interesse an Car2Car-Sicherheits-Kommunikation

Im Mittelpunkt der Connected Car Services-Studie der PFH stehen insbesondere Aussagen zur Relevanz der aktuell verfügbaren und zukünftigen Connected-Car-Services sowie Erkenntnisse zur Entwicklung und zu den Perspektiven dieser Dienste. Zudem untersuchten die Autoren auch die konkreten Einflussfaktoren wie die Zahlungsbereitschaft, den Umgang mit Daten und die Akzeptanz dieser Services.

„Unsere Erhebung zeigt, dass 83 Prozent der Befragten ein hohes Interesse an der Car2Car-Sicherheits-Kommunikation haben, also beispielsweise der Warnung nachfolgender Fahrzeuge vor einem Unfall, vor plötzlichem Glatteis oder ähnlichen Gefahren“, erläutert Marc Scholz, Co-Autor der Studie und Masterabsolvent der PFH. An zweiter Stelle nennen die Befragten die Möglichkeit, auf digitalem Wege ein Update oder eine Erweiterung von Funktionalitäten des Fahrzeugs zu buchen. „Dies sind Funktionalitäten, die unmittelbar mit der Fahrzeugnutzung zusammenhängen“, so seine Einschätzung.

Deutlich abgeschlagen in der Priorität sind Themen wie die Gesundheitsüberwachung des Fahrers, das Übersenden von Gutscheinen und Coupons im nahegelegenen Einzelhandel oder die Steuerung des Kühlschranks und anderer Geräte im eigenen Haushalt. „Gerade die beiden letzten Themen kann der Fahrer genauso über sein Smartphone abwickeln “, erklärt Scholz.

Wenig Vertrauen in Facebook & Co. bei Datensicherheit

Connectec Car Services wiederum sollen den Komfort und die Sicherheit der Autofahrer sowie der Passagiere im Fahrzeug erhöhen. Als besonders zukunftsweisend gelten dabei Car2Car-Kommunikationsdienste, die etwa nachfolgende Fahrzeuge bei Gefahrensituationen warnen können. Doch auch dieses eindeutige Plus an Sicherheit wird durch das mangelnde Vertrauen in die Datensicherheit ausgebremst, wie die Autoren der PFH-Studie bedauernd konstatieren.

So gaben in dieser Untersuchung 83 Prozent der Befragten ein hohes Interesse an Car2Car-Sicherheits-Kommunikation an, also etwa an der Warnung nachfolgender Fahrzeuge vor einem Unfall, vor plötzlichem Glatteis oder ähnlichen Gefahren, wie Marc Scholz, erläutert. An zweiter Stelle nennen die Umfrageteilnehmer die Möglichkeit, auf digitalem Wege ein Update oder eine Erweiterung von Funktionalitäten des Fahrzeugs zu buchen. Dies seien Funktionalitäten, die unmittelbar mit der Fahrzeugnutzung zusammenhängen, verdeutlicht er. Erheblich weniger Interesse äußern die Befragten derweil an Themen wie Gesundheitsüberwachung des Fahrers, dem Übersenden von Gutscheinen und Coupons im nahegelegenen Einzelhandel oder der Steuerung des Kühlschranks sowie anderer Geräte im eigenen Haushalt.

Datensicherheit spielt eine wichtige Rolle

„Für Konsumenten spielen bei der Entscheidung für oder gegen Connected Car Services nicht nur Kosten-Nutzen-Aspekte eine wichtige Rolle, sondern auch die Frage nach der Sicherheit der Daten“, erläutert Scholz. Daher untersucht die Studie, ob Autofahrer bereit sind, Informationen über ihre gesundheitsbedingte Fahrtüchtigkeit, über ihr Fahrverhalten oder überhaupt über die gewählten Routen und Umwege einem internationalen Konzern zu überlassen.

„Die Befragung ergab, dass im Vergleich führender Automobilkonzerne mit führenden IT-Konzernen die Nutzer höheres Vertrauen in die Automobilkonzerne setzen“, sagt Scholz. Dennoch blieben die Sicherheitsbedenken bezüglich ihrer Daten mit 68 Prozent vergleichsweise hoch. Der Studie zufolge ist das Vertrauen in die Premium-Hersteller bei der Verwendung der Daten aus den Connectivity Services groß, Apple liegt auf Platz 4 vor weiteren europäischen Herstellern, Facebook und Google sind deutlich abgeschlagen.

Zahlungsbereitschaft für Connected Car Services eher gering

Die Frage nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden für Konnektivitätsdienste ergab, dass fast ein Viertel nicht bereit ist, für diese Dienste zu zahlen, und nur etwas mehr als ein Drittel will zehn Euro und mehr im Monat ausgeben. „Für die Automobilhersteller ist es von sehr hoher Bedeutung zu erfahren, wie es um die Zahlungsbereitschaft für Connected-Car-Services bestellt ist. Schließlich haben verschiedene Hersteller erklärt, dass sich ihr Geschäftsmodell in den kommenden Jahren deutlich verändern wird und dass sie nicht mehr allein Kraftfahrzeuge verkaufen, sondern sich zunehmend als Mobilitätsdienstleister verstehen wollen“, erläutert Dr. Hans-Christian Riekhof, Professor für Internationales Marketing und einer der Autoren der Studie. „Angesichts der jährlichen Gesamtkosten eines Automobils darf man an dieser Stelle wohl sagen, dass die Zahlungsbereitschaft als eher gering anzusehen ist“, so der Professor.

Bedeutung von Konnektivitätsdiensten nimmt zu

Die Autoren der Studie rechnen damit, dass Bedeutung und Relevanz von Konnektivitätsdiensten auch zukünftig sowohl aus Kundensicht als auch für die Automobilhersteller weiter steigen werden. Allerdings werde es weiterhin eine sehr differenzierte Bewertung der Vielfalt dieser Dienste geben. „Nicht alles, was technisch möglich ist, wird auf Interesse der Kunden stoßen. Und nicht alle Anwendergruppen werden die technologischen Optionen in gleicher Weise schätzen“, meint Riekhof. Das werde dazu führen, dass die Hersteller ein Menu anbieten werden, aus dem sich jeder Autofahrer seinen Präferenzen entsprechend bedienen wird, so das Fazit der Autoren.

Der Kampf um diese Daten, der „Goldrush“ des 21 Jahrhunderts, ist somit längst im Gange. Verschiedene Interessengruppen verlangen hierauf Zugriff, weil diese Informationen die Grundlage für künftige Geschäftsmodelle darstellen. Bislang haben jedoch allein die Automobilhersteller Zugang zu den Daten der Autofahrer, die wiederum die Hoheit darüber für sich reklamieren.

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