Automobil-Branche: Wandel durch viele Trends

Automobil-Branche: Wandel durch viele Trends

30. November 2020 0 Von Dr. Frauke Hewer

Nicht nur die Automobil-Branche befindet sich im Wandel. Eine Managementberatung hat untersucht, welche Themen in der nahen Zukunft für die Automobil-Konzerne wichtig sein werden. Und wie sie sie meistern können.

Megatrends wie E-Mobilität, Digitalisierung und die zunehmende Automatisierung haben die Automobil-Branche in den letzten Jahren zu großen Strukturveränderungen veranlasst. Damit die Neuaufstellung der Unternehmen gelingt, müssen allerdings zahlreiche Herausforderungen im Verbund gemeistert werden. Die Veränderungen werden weitreichend sein und neben den Unternehmen auch den Arbeitsmarkt massiv betreffen. Die Management- und Technologieberatung BearingPoint hat dazu gemeinsam mit der Personalberatung dla digital leaders advisory neun zentrale Herausforderungen für die Automobil-Branche definiert und die wichtigsten Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Transformation erarbeitet:

Alle müssen sich mit IT beschäftigen

Die rasante Digitalisierung, hochentwickelte Cloud-Architekturen und der Bedarf an Arbeitskräften mit breit gefächerten Kenntnissen und Fertigkeiten verwischen die klassische Trennung zwischen IT und Fachbereichen. IT-Skills sind inzwischen in allen Bereichen und Abteilungen gefragt. Cross-funktionale, agile Kollaborations- und Rollenmodelle erfordern eine wesentlich stärkere Beschäftigung mit Informationstechnologien im gesamten Unternehmen.

Automobil-Branche: Mobilitätsleistung steht im Vordergrund

E-Mobilität, Konnektivität und autonomes Fahren führen zu neuen Anforderungen an Mobilitätsdienstleistungen, gerade in Bezug auf Infrastruktur, Versicherung, Wartung und Entertainment. Dadurch werden etablierte Märkte völlig neu definiert. Das eröffnet Unternehmen einerseits neue Geschäftsmodelle, führt aber auch dazu, dass sie ihre Prozesse, Organisation und IT an die sich verändernde Marktsituation anpassen müssen.

Das digitale Auto wird immer wichtiger

Software wird zum vorherrschenden Faktor für die Produktentwicklung, da der Softwareanteil in den Fahrzeugen stark zunimmt, während die Hardwarekomplexität in der E-Mobilität abnimmt. Für Automobilhersteller und -zulieferer bedeutet das einen drastischen Wandel in den benötigten Qualifikationen und ein zunehmendes Konkurrieren um knappe IT-Ressourcen. Für die Unternehmen gilt es bei der Software-Innovation voranzukommen, wollen sie nicht zu reinen Hardware-Anbietern mutieren.

„Die tiefgreifenden Veränderungen in der Automotive-Industrie verlangen nach neuen Kompetenzen und Eigenschaften auf der Führungsebene aller Akteure. Dabei geht es insbesondere um starkes Leadership, eine hohe Daten- und Technologiekompetenz und ein tiefes Verständnis für die Wirkungszusammenhänge in einem Markt, der sich zu einem komplexen und branchenübergreifenden Ökosystem entwickelt“.

Marcel Derakhchan, dla-Geschäftsführer

Automatisierung kommt noch mehr

Die exponentiell fortschreitende Automatisierung in den Bereichen Produktion und Logistik geht mit einem massiven Rückgang von Industriearbeitsplätzen einher. Dieser Herausforderung müssen die Unternehmen und die Standorte in den Regionen begegnen, indem sie ihre Mitarbeiter schon heute für neue und veränderte Einsatzmöglichkeiten qualifizieren.

Kollaboration zwischen Unternehmen spielt eine größere Rolle

Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen OEMs, BigTech-Firmen und spezialisierten Start-ups wird unerlässlich, um den steigenden Bedarf an Software-Know-how, neuen Technologien und spezifischem Humankapital zu decken. In diesem Zuge wird sich die Automobilindustrie weg von Lieferketten hin zu komplexen Ökosystemen entwickeln, in denen jeder seinen Platz neu finden und definieren muss.

Kundenbeziehungen verändern sich

Neue digitale Vertriebskanäle und direkte Kundenkontakte führen zu einem raschen Anstieg der Direktverkäufe seitens der Automobilhersteller, wodurch die Rolle und Relevanz der Händler dramatisch geschwächt wird. Für die Händler bedeutet das akuten Handlungsbedarf, denn sie müssen ihre zukünftige Rolle und ihre Geschäftsmodelle definieren und den Bedürfnissen ihrer Kunden anpassen.

After-Sales wird digital

Datenbasierte Fehlererkennung, Over-the-Air-Updates und reduzierte Hardware-Komplexität revolutionieren den After-Sales-Markt. Die zukünftige Rolle und Bedeutung der Werkstätten im Ökosystem der Automobilindustrie wird sich drastisch verändern. Im After-Sales werden zunehmend Software-Spezialisten gefragt sein, während klassische Mechaniker an Bedeutung verlieren. Eine Entwicklung, die durch die E-Mobilität zusätzlich verstärkt wird.

Organisationen und Strukturen im Wandel

Als direkte Folge von Big Data und maschinellem Lernen werden manuelle Transaktionen in IT-Systemen hinfällig, was weltweit Organisationen und ihre Angestellten stark beeinflussen wird. Das erfordert für Automobilhersteller und ihre Zulieferer ein gewaltiges Change Management in der gesamten Organisation und Struktur.

Nachhaltigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor

Der Drang nach mehr Nachhaltigkeit und einem gesteigerten Umweltbewusstsein bewegt Unternehmen weg von der reinen Gewinnmaximierung hin zu mehr CSR-basierten Unternehmensentscheidungen. Auch in der Automobilindustrie werden sich Anbieter der Frage stellen müssen, ob ihr Image, ihre Produktpalette und ihre Positionierung im Markt zukunftsfähig sind und den veränderten Konsumenteninteressen entsprechen.

Es gibt nicht mehr die EINE Führungspersönlichkeit

Für alle neun Bereiche gilt, dass es für die erfolgreiche Bewältigung der Transformationsherausforderungen auch jeweils ganz spezielle Leader-Skills braucht. Die Unternehmen sind gefordert, entsprechende Führungspersönlichkeiten – wie Thought Leader, Social Leader, Process Leader, Results Leader und Data Leader – in den unterschiedlichen Bereichen einzusetzen, die den erfolgreichen Umbau glaubwürdig und nachhaltig vorantreiben. So sind beispielsweise in der optimierten Verwaltung vermehrt Data Leader gefragt, während beim Thema Nachhaltigkeit Social bzw. People Leader das Ruder in die Hand nehmen müssen.

„Im Kontext der sich rasch verändernden Realitäten stehen Automotive-Konzerne unter einem gewaltigen Transformationsdruck. Sie müssen schnell und umfassend ihre alten Strukturen umbauen und neue Produkte, Geschäftsmodelle und Services entwickeln. Es gibt nicht den einen Zündschlüssel für die Automotive-Branche, um erfolgreich am Transformationsziel anzukommen. Vielmehr braucht es eine ganze Palette von wichtigen Strukturveränderungen, die miteinander gedacht und entsprechend umgesetzt werden müssen. Klar ist aber auch, dass der zukünftige Erfolg der deutschen Autobauer stark davon abhängt, wie gut und schnell sie die Themen Elektromobilität und Digitalisierung meistern.“

Dr. Stefan Penthin, globaler Leiter Automotive bei BearingPoint
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