Autonom fahren? Nein, lieber mit dem Robo-Taxi!

Autonom fahren? Nein, lieber mit dem Robo-Taxi!

3. Februar 2020 2 Von Dr. Frauke Hewer

Die Unternehmensberatung Alix Partners hat eine Studie veröffentlicht, die ein klares Bild zeichnet: vollkommen autonom Fahren wünschen sich bisher die wenigsten. Lieber würden sie auf Robo-Taxis zurückgreifen.

Eine aktuelle Analyse zur Verbraucherstimmung in wichtigen internationalen Märkten zeigt: Entscheider der Automobilbranche überschätzen Konsumenten offenbar in zwei wichtigen Punkten. Denn die wollen offenbar weder ein hochautomatisiertes und vollautonomes Fahrzeugen, noch wollen sie dafür mehr zahlen. Lieber würden die Befragten die so genannten Ride-Hailing-Angebote nutzen, also automatisch gesteuerte und individuell buchbare Taxis. Allerdings müssten diese in puncto Kosten mit dem Unterhalt des eigenen Autos mithalten können. Autonom fahren ist also nicht wirklich ein Thema.

Autofahrer erwarten besseres Infotainment und bessere Innenausstattung

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage unter rund 6.700 Verbrauchern in China, Frankreich, Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich und den USA. Konsumenten wollen demnach acht bis maximal 24 Prozen Aufschlag für hochautomatisierte Fahrzeuge (Level 4) bezahlen. Zum Vergleich: Aktuelle Fahrzeuge verfügen mehrheitlich über Level 2 (Spurhalteassistent, automatisches Bremsen etc.). Im internationalen Vergleich sind deutsche Verbraucher mit acht bis 24 Prozent bereit, deutlich mehr auszugeben als beispielsweise Chinesen (8 %) oder Amerikaner (9 %).

Gleichzeitig erwarten Verbraucher eine substanzielle Weiterentwicklung der Infotainment-Systeme und der Innenausstattung. 44 Prozent der Amerikaner, 47 Prozent der Deutschen und 69 Prozent der Chinesen setzen dies bei autonomen Fahrzeugen voraus. Bequemlichkeit in ihrer täglichen Routine stellt für Verbraucher einen entscheidenden Faktor beim Kauf von autonomen Fahrzeugen dar.

„Die Automobilindustrie muss weltweit bei jedem Investitionsschritt einen realistischen Blick auf den Return on Investment bei autonomen Fahrzeugen werfen. Hersteller sollten klug agieren, da sich nicht abzeichnet, dass man mit autonomem Fahren schnell Geld verdienen wird. Langfristig handelt es sich dabei jedoch um eine Schlüsseltechnologie.“

Elmar Kades, Managing Director und Automotive-Experte bei AlixPartners

Autonom fahren? Nicht unbedingt!

Die Automobilindustrie steht beim autonomen Fahren vor einer weiteren großen Herausforderung – dem Wettbewerb durch die Ride-Hailing-Industrie. 84 Prozent der befragten Verbraucher in China gaben an, dass sie auf ein privates Fahrzeug verzichten würden, wenn die Kosten für die Buchung eines autonomen Ride-Hailing-Services nicht höher sind als für den Unterhalt des eigenen Wagens. Das Interesse an Robotaxis und ähnlichen automatisierten Angeboten ist laut Studie länderübergreifend groß: Selbst in klassischen „Auto-Ländern“ wie Deutschland oder den USA würden in diesem Fall 52 Prozent sowie respektive 44 Prozent keinen eigenen Wagen anschaffen.

Ob der Verbraucher zum Schluss auch so handelt, bleibt abzuwarten. Vorerst können die Angebote in abgegrenzten Gebieten, sogenannten restricted areas gut eingesetzt werden. Laut AlixPartners-Analyse ist die Bereitschaft zum Wechsel in den Ländern mit niedrigem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf besonders groß.

Noch fünf Jahre warten, dann vielleicht autonom fahren

Ein weiterer Faktor, der die Verkaufszahlen mittelfristig auf einem eher niedrigen Niveau halten könnte: 80 Prozent der potentiellen Käufer hochautomatisierter autonomer Fahrzeuge wollen keine Vorreiter sein. Obwohl sie ernstes Kaufinteresse haben, würden sie nach eigenen Aussagen fünf Jahre oder länger mit dem Erwerb warten, nachdem die Fahrzeuge flächendeckend verfügbar sind. Diese Ergebnisse reichen von 51 Prozent in China bis zu 81 Prozent in Großbritannien. Auch die Deutschen würden eher abwarten: Nur 4 Prozent können sich einen Kauf innerhalb von zwei Jahren nach Verfügbarkeit der Fahrzeuge vorstellen, während mehr als zwei Drittel (78 Prozent) länger als fünf Jahre warten möchten.

Ist autonom Fahren sicher?

In der AlixPartners-Umfrage gaben Verbraucher zudem an, dass sie Vorbehalte in Bezug auf die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen haben. Am zuversichtlichsten sind die chinesischen Befragten. 58 Prozent haben keine Zweifel, dass ein weiterentwickeltes autonomes Fahrzeug sie sicher von einem Ort zum anderen navigieren und fahren könnte. Laut den Studienautoren ist dieses Ergebnis nicht zu unterschätzen, da China der größte Automobilmarkt der Welt ist und in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle einnehmen könnte. Italien folgt auf Platz zwei, jedoch mit einigem Abstand (36 Prozent).

Die Skeptiker wohnen in Deutschland – dort glauben nur 18 Prozent an die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen. Um diese Bedenken auszuräumen und die Akzeptanz und Kaufbereitschaft für autonome Fahrzeuge generell zu erhöhen, müssen Hersteller und Händler eng mit Behörden und Partnern zusammenarbeiten und massiv in Consumer-Experience-Marketing investieren.

Internationale Verbraucherumfrage „Autonomes Fahren der Zukunft“

Für die internationale Studie von AlixPartners wurden insgesamt rund 6.700 Verbraucher befragt, 1.072 davon in China, 1.019 in Frankreich, 1.015 in Deutschland, 1.037 in Italien, 1.009 im Vereinigten Königreich und 1.594 in den USA. Alle Befragten waren 18 Jahre und älter, besaßen Führerscheine und repräsentierten alle wichtigen Regionen sowie Einkommensniveaus in den verschiedenen Ländern. Die Gruppe bestand insgesamt aus 51 Prozent Männern und 49 Prozent Frauen. Die Umfrage wurde online zwischen dem 23. April und dem 17. Mai 2019 durchgeführt.

Bildquelle: Continental

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