Designschutz für sichtbare Kfz-Ersatzteile bremst freien Wettbewerb

Designschutz für sichtbare Kfz-Ersatzteile bremst freien Wettbewerb

19. Oktober 2023 0 Von Jürgen Rinn

Der Designschutz sichtbarer Kfz-Ersatzteile macht Reparaturen teuer. Und das hat massive Auswirkungen auf das Geschäft der Kfz-Versicherer. Sie klagen über eine Kostenexplosion.

Die deutschen Kfz-Versicherer werden im Jahr 2023 voraussichtlich einen Verlust von mehr als 2,5 Milliarden Euro machen. Das geht aus einer Hochrechnung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. „Die Autofahrer zahlen in diesem Jahr für die Absicherung ihrer Fahrzeuge rund 30,2 Milliarden Euro, aber die Versicherer müssen über 32,8 Milliarden Euro für Schäden und Verwaltung ausgeben. Unter dem Strich stehen jedem eingenommenen Euro Ausgaben von 1,09 Euro gegenüber“, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Ein Grund hierfür ist die hohe Inflation. Im Vergleich zum Vorjahr dürften die Einnahmen der Kfz-Versicherer um 3,7 Prozent steigen, die Ausgaben jedoch um rund zwölf Prozent – insbesondere wegen höherer Reparaturkosten. „Sowohl die Ersatzteile als auch die Arbeit in den Kfz-Werkstätten werden immer teurer“, so Asmussen. Dieser Trend zeige sich bereits seit einiger Zeit.

Designschutz ist schlecht für den Wettbewerb

Als eine weitere Ursache dieser Kostenexplosion verweisen die Kfz-Versicherer und eine Verbände-Allianz schon einiger Zeit darauf, dass die deutschen Regelungen zum sogenannten Designschutz den freien Wettbewerb auf dem Mobilitätsmarkt massiv ausbremsen und die Kosten für Ersatzteile sowie Reparaturen massiv in die Höhe treiben. Grund genug, einmal zu klären, was es damit tatsächlich auf sich hat. Nach der Designrichtlinie sind die meisten Ersatzteile vom Designschutz ausgenommen (zum Beispiel die „Teile unter der Haube“, also Ersatzteile, die man nicht sieht). Die Designschutzrichtlinie 98/71/EG gibt vor, dass die Erscheinungsform eines ganzen Erzeugnisses oder eines Teils davon unter bestimmten Voraussetzungen geschützt werden kann, erklärt man beim Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA).

Somit müssen für die Reparatur eines Unfalls, oftmals selbst eines scheinbar geringfügigen Blechschadens, teure Original-Ersatzteile verwendet werden, weil der Designschutz laut deutschem Recht alle sichtbaren Karosserieteile wie Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel, Scheinwerfer, Leuchten oder Türen umfasst. Das sind also alle karosserieintegrierten Ersatzteile. Und die Preise dieser für eine Reparatur unerlässlichen Teile haben die Autohersteller kontinuierlich erhöht, wie der Gesamtverband der der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beanstandet. Durch diese Markenrechte würden Ersatzteile unnötig verteuert und Reparaturkosten unvertretbar in die Höhe getrieben, kritisieren Branchenkenner.

Höhere Ersatzteilpreise führen zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen

Bei den Versicherern führen die höheren Ersatzteilpreise zu steigenden Reparaturkosten nach Unfällen, wie der GDV erläutert. „Im vergangenen Jahr kostete ein Pkw-Sachschaden die Kfz-Haftpflichtversicherer im Durchschnitt 3.375 Euro und somit bereits rund acht Prozent mehr als im Vorjahr“, rechnet GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen vor. Zum Vergleich: 2013 lag dieser Wert noch bei 2.400 Euro.

In der Praxis wirkt sich der Designschutz auch bei einem Autounfall negativ, weil kostentreibend aus, wie nicht zuletzt die Kfz-Versicherer bemängeln. Denn ein so komplexes Produkt wie ein Auto besteht aus vielen Einzelteilen. Wird das Fahrzeug durch einen Unfall beschädigt, müssen zur Reparatur Ersatzteile ein- und angebaut werden. Diese Ersatzteile haben zwangsläufig den ursprünglichen Teilen des Autos in ihrer genauen Form und ihren Abmessungen zu entsprechen, weil sich sonst das ursprüngliche Erscheinungsbild nicht wiederherstellen lässt, so der GVA. Deshalb haben in Form und Optik abweichende Teile keine Nachfrage und finden keinen Absatz.

Autohersteller tragen mit teuren Ersatzteilpreisen zu Prämienerhöhungen bei

Somit müssen für die Reparatur eines Unfalls, oftmals selbst eines scheinbar geringfügigen Blechschadens, teure Original-Ersatzteile verwendet werden, weil der Designschutz laut deutschem Recht alle sichtbaren Karosserieteile wie Kotflügel, Motorhauben, Außenspiegel, Scheinwerfer, Leuchten oder Türen umfasst – also alle karosserieintegrierten Ersatzteile. Und die Preise dieser für eine Reparatur unerlässlichen Teile haben die Autohersteller kontinuierlich erhöht, wie der Gesamtverband der der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beanstandet. Durch diese Markenrechte würden Ersatzteile unnötig verteuert und Reparaturkosten unvertretbar in die Höhe getrieben, kritisieren Branchenkenner.

Inzwischen sind vielen Autofahrern die Benachrichtigungen über Prämienerhöhungen ins Haus geflattert. Schon im Sommer hatte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) angekündigt, dass Preissteigerungen bei den deutschen Kfz-Versicherern wegen der Inflation und gestiegener Kosten unvermeidbar sein würden. Bei Letzteren fallen insbesondere die Aufwendungen für Ersatzteile und somit Reparaturen insgesamt ganz besonders ins Gewicht, wie aus der Branche allenthalben zu hören ist. Allein die Beschaffungskosten für Ersatzteile seien um rund 80 Prozent gestiegen, heißt es dort.

Foto: GOSLAR INSTITUT

Hier klicken und Beitrag bewerten