Personalie Hartmut Röhl: Lässt sich der GVA vereinnahmen?

Personalie Hartmut Röhl: Lässt sich der GVA vereinnahmen?

20. April 2020 1 Von Dr. Frauke Hewer
Dr. Frauke Hewer, aftermarket-trends.de

Kommentar Hartmut Röhl war „Chefberater für Regierungsangelegenheiten“ beim US-amerikanischen Teileriesen LKQ. Zwei Tage lang. Der GVA-Präsident hat diesen Posten sehr schnell wieder verlassen. Verwunderlich ist vor allem, dass er ihn zuvor eingenommen hatte.

Röhl ist im automotive Aftermarket bekannt wie ein bunter Hund. Das liegt in allererster Linie an seiner seit vielen Jahren andauernden Tätigkeit als Präsident des Teilehandelsverbands GVA. Darüber hinaus engagiert sich Röhl ebenfalls seit langer Zeit beim europäischen Dachverband des Kfz-Teilehandels (FIGIEFA), dem europäischen Gegenstück zum GVA.

Ist Hartmut Röhl jetzt noch ein unabhängiger Vertreter?

Wie ein solch hochrangiger Vertreter von Interessenverbänden sich zum Berater eines einzelnen Unternehmens machen lassen konnte, ist mehr als verwunderlich. Und dass er diese Tätigkeit an einem ersten April aufnahm, ist fast schon grotesk.

Wie soll denn Hartmut Röhl als Berater eines Teileriesen eine unabhängige Position einnehmen können? Was hat sich der ansonsten so kluge und besonnene Röhl wohl dabei gedacht? Anscheinend nichts, oder zumindestens nicht viel. In einer Pressemitteilung von LKQ hieß es: „Beide Seiten waren sich der starken Befürchtungen nicht bewusst, dass diese Ernennung zu einem Interessenkonflikt führen würde.“

Einfach nicht darüber nachgedacht?

Es ist kaum zu vermuten, dass tatsächlich niemand vorher genau hierüber nachgedacht hätte. Vielleicht hatte man gedacht, dass sich einfach niemand darum schert oder dass es schlicht nicht auffällt. Wer aber die Teilnehmer des automotive Aftermarket für so dumm hält, hat die Rechnung wohl ohne den Wirt gemacht.

Auch und gerade in der Lähmung der Corona-Restriktionen sind die Akteure des automotive Aftermarket sensibel dafür, wenn ihr oberster Lobbyist so einfach Partei ergreift für ein Unternehmen, in dem viele Beteiligte eine große Konkurrenz, wenn nicht sogar den Feind an sich sehen.

Bleibt Röhl beim GVA oder nicht?

Spannend bleibt jetzt die Frage, ob Hartmut Röhl am Ende dem GVA die Treue halten oder sich dem Teileriesen komplett verschreiben wird. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass derjenige das Rennen macht, der seinen Geldbeutel etwas weiter öffnet. Ob das dann der Verband oder das Teilehandelsunternehmen sein wird, sollte sich bald zeigen. So oder so kann ein solcher Vorgang das Vertrauen in unabhängig geglaubte Institutionen schwer erschüttern.

Foto Hartmut Röhl: GVA

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