Caravaning: Boom bei Reisemobilen und Caravans

Caravaning: Boom bei Reisemobilen und Caravans

25. August 2021 0 Von Jürgen Rinn

Caravaning ist längst mitten in der Gesellschaft angekommen. Seit sieben Jahren steigen die Zulassungszahlen von Reisemobilen und Wohnwagen. Sie sind gefragt wie nie. Die Neuzulassungen von Reisemobilen und Caravans stiegen seit Jahresbeginn hierzulande um über sechs Prozent. Rund 20 Millionen Deutsche wollen auf den Campingplatz, so das Fazit einer aktuellen Studie im Vorfeld des bedeutenden Caravan Salons in Düsseldorf, die Aufschluss zum boomenden Caravaning-Markt gibt.

Caravaning erlebt in Deutschland einen selbst für die Wachstumsbranche nicht für möglich gehaltenen Boom. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurden 74.957 Reisemobile und Caravans neu zugelassen. Am positiven Gesamttrend in diesem Jahr änderte auch das rückläufige Juli-Ergebnis nichts. Im vergangenen Monat wurden insgesamt 12.118 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Damit sanken die Neuzulassungen um 24,8 Prozent im Vergleich zum Juli des letzten Jahres.

Caravaning-Begeisterung kennt keine Grenzen

„Mit einer hohen Stichprobe sowie einem umfassenden Fragenkatalog betrachten wir diesen spannenden Markt aus verschiedenen Perspektiven und können ein sehr detailliertes Bild sowie mögliche Entwicklungen darstellen. Die Studie wurde seit Dezember vorbereitet und zeigt durch den Erhebungszeitraum im Juli auch die Effekte von Corona auf, was ganz sicher für viele Planer von erheblichem Mehrwert ist.“

Niklas Haupt, Partner von puls Marktforschung in Nürnberg

Die Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Spezialisten der gsr Unternehmensberatung und puls Marktforschung in Zusammenarbeit mit der Auto Bild Reisemobile sowie weiteren Partnern. Laut der Studie zum Thema Reisemobile und Wohnwagen, die jetzt in die zweite Runde gegangen ist, beschäftigen sich momentan bereits fast 20 Millionen Menschen in Deutschland in irgendeiner Weise mit Caravaning.

Dabei kam auch heraus, dass sich eine immer jüngere, urbane und kaufkräftige Zielgruppe dem Caravaning zuwendet. Erwartet wird wohl ein neuer Rekord an Caravaning-Fahrzeugen auf den deutschen Straßen. So sollen es bis zum Ende des laufenden Jahres laut den Verfassern der Studie rund 1,5 Millionen zugelassene Wohnwagen und Reisemobile sein.

Studie gibt Aufschluss über boomenden Caravaning-Markt

Um 44 Prozent auf fast 5 Millionen steige die Zahl der Menschen, die in diesem Jahr einen Urlaub oder Ausflug mit dem Reisemobil sowie Wohnwagen planen. Die Gründe seien hier unterschiedlich: Einerseits spieIe weiterhin für ein Drittel die Corona-Pandemie eine Rolle, andererseits sehen immer mehr Menschen den Spaß und das Abenteuer mit Reisemobil und Wohnwagen (49 Prozent) als Anreiz, so die Studie. Auch der Klimawandel mischt bei der Freizeitgestaltung mit. So möchten 19 Prozent bewusst nicht mehr mit dem Flugzeug oder Schiff reisen (Vorjahr 22 Prozent) und unverändert 16 Prozent geben ökologische Gründe an.

Budget für Fahrzeug und Urlaub steigt weiter

Immer mehr Anbieter mit einem immer breiteren Spektrum an Fahrzeugen, Zubehör und Dienstleistungen und treffen in diesem Segment auf eine steigende Investitionsbereitschaft. Für die Anschaffung der Fahrzeuge werde ebenso mehr investiert wie für den Urlaub selbst. Im Durchschnitt wurden in den letzten Jahren für ein neues Reisemobil 54.464 Euro investiert, also 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Für einen neuen Wohnwagen wurden im Schnitt 25.276 Euro bezahlt (plus 17 Prozent, jeweils zum Zeitpunkt des Kaufes). Die Urlaubskasse wird bei Besitzern und Mietern um bis zu 25 Prozent auf bis zu 519 Euro pro Woche und Person im Vergleich zum Vorjahr aufgestockt, ist es der Studie zu entnehmen.

Lieferzeiten sind katastrophal

Diese entstanden laut dem Mediendienst Auto-Medienportal.net aufgrund der hohen Nachfrage, aber auch durch Lieferengpässe bei den Basisfahrzeugen oder Ausstattungsteile wie Fenster oder Kühlschränke. 32 Prozent akzeptieren demnach keine Lieferzeit und verzichten lieber auf das speziell nach ihren Wünschen konfigurierten Reisemobil, kaufen stattdessen aus dem Bestand der Händler. 25 Prozent würden eine Wartezeit von eins bis drei, 19 Prozent bis zu sechs Monaten in Kauf nehmen.

Zu den Lieferschwierigkeiten merkt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbandes (CIVD), an: „Viele Komponenten und Rohstoffe sind aufgrund der Pandemie und stockender Lieferketten aktuell kaum verfügbar, sodass wir die weiterhin sehr hohe Nachfrage teilweise nicht bedienen können.“

Gehemmte Produktion, sinkende Neuzulassungen trotz hoher Nachfrage

Noch stärker machen sich die Probleme in der Produktion bei Caravans bemerkbar. „Bei den Herstellern stehen hunderte Fahrzeuge, die praktisch fertig produziert sind, aber nicht ausgeliefert werden können, da ein bestimmtes Teil fehlt“, erklärt Onggowinarso. Seit Jahresbeginn sind die Neuzulassungen entsprechend um 12,1 Prozent auf 17.557 Einheiten gesunken. Im Juli wurden 3.446 Fahrzeuge neu zugelassen.

Gegenüber dem Ausnahme-Juli 2020 bedeutet das einen Rückgang von 33,3 Prozent, der Vergleich mit Juli 2019 (3.196 Neuzulassungen) ist jedoch deutlich positiv. „Bei den Händlern ist von einem Rückgang der Nachfrage nach Caravans nichts zu spüren, im Gegenteil. Caravaning ist in diesen Zeiten eine der sichersten Urlaubsformen, da man mit einem Freizeitfahrzeug individuell und nur mit Personen des eigenen Haushaltes verreist und durch eigene Schlaf-, Wohn-, Koch- und Sanitärmöglichkeiten weitestgehend autark ist“, so Onggowinarso.

Foto: Caravaning Industrie Verband e. V. (CIVD)

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