„Wir brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten“

„Wir brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten“

21. Februar 2020 2 Von Jürgen Rinn

Dafür kämpft der Kfz-Landesverband Rheinland-Pfalz. Denn wer Zugriff auf die Fahrzeugdaten und das Fahrerdisplay hat, kann Geschäfte machen, die den anderen vorenthalten bleiben. Und deshalb wollen die Fahrzeug-Hersteller de facto ein Monopol auf die Daten etablieren. Andere Player fordern einen gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten.

Fernwartung der Autos, Werkstattterminvergabe innerhalb des Fahrzeugs, das Freischalten von Licht-Technik: All das wird, um nur drei Beispiele zu nennen, künftig in Fahrzeugen Gang und Gäbe sein. Hintergrund ist, dass immer mehr Fahrzeuge andauernd Daten über den Zustand des Fahrzeugs und das Fahrverhalten senden. Eine weitere zukünftige Leistung des Autos könnte beispielsweise auch darin bestehen, dass es sich bei einer Funktionseinschränkung selbst einen Termin in der Werkstatt macht. In Bezug auf denkbare Dienstleistungen, die durch die fortschreitende Vernetzung der Fahrzeuge möglich werden, sehen Experten fast nur durch die verfügbare Technik Grenzen gesetzt.

Noch gibt es keinen gleichberechtigten Zugang zu Fahrzeugdaten

Zugleich können Daten auf das Fahrerdisplay geschickt werden. Derzeit verfügen die Autobauer über ein Datenmonopol. Sie sind die einzigen, die faktisch Zugang zu diesen Informationen haben und beanspruchen diese Daten für sich. Fazit: Dadurch nehmen sie sowohl herstellergebundenen als auch ungebundenen Betrieben den direkten Kontakt zum Kunden weg.

Aus diesem Grund regte der Landesverband bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung eine Veranstaltung zu dem Thema an, die Mitte Februar im Rahmen der Fahrzeuginitiative „We move it“ unter dem Titel „Der Kampf um die Fahrzeugdaten – wem gehört das Geschäft von morgen?“  in Mainz stattgefunden hat. Vor den etwa 100 Teilnehmern forderte Jens Bleutge, Geschäftsführer des Kfz-Landesverbands, dass Kfz-Betriebe dem Hersteller gegenüber gleichberechtigt sein müssen, was den Zugang zu den Daten und den Funktionen des Fahrzeugs. Denn Bleutges beefürchtet, dass die Hersteller zunehmend die Hoheit über die Kundendaten gewinnen. „Solange es keine standardisierte Schnittstelle zum Fahrzeug gibt, solange nicht auch die Kfz-Betriebe Zugriff auf Daten und Funktionen haben, wird dieses Geschäft den Kfz-Betrieben vorenthalten bleiben“, erklärt der Landesverbandsgeschäftsführer.

Zugang zu Fahrzeugdaten nicht rechtssicher geregelt

Dass ein solcher Zugang noch rechtssicher  von der EU geregelt werden muss, hatte zuvor Marcus Sacré, Rechtsanwalt von Osborne Clarke, klargestellt. Zwar könne man ein Recht auf diesen Zugang auch von den bereits geltenden Gesetzen ableiten, weil es sich um den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung handele. Doch müsse um dieses Recht jeder einzelne Betrieb kämpfen. Das würde bis zum Sanktnimmerleinstag dauern, und der betreffende Betrieb sei am Ende des Gerichtsweges vermutlich längst pleite. Immerhin, so Sacré, habe die EU-Kommission dies erkannt und befinde sich auf dem richtigen Weg.

Die favorisierte Form des Datenzugangs skizzierte Dominik Lutter, Referent des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe: die offene Telematik-Plattform (OTP). „Die Daten über das ‚extended vehicle‘ zu bekommen, wie die Fahrzeughersteller dies durchsetzen möchten, reicht nicht aus. Auf diese Weise könnten die Hersteller alle Aktivitäten mit den Daten monitoren und beispielsweise feststellen, was angeboten wird und wie viele Fahrzeughalter damit erreicht werden“, so Lutter.

Geschäftsmodelle noch lange nicht ausgeschöpft

Nun werden vernetzte Fahrzeuge und die damit verbundenen Datenströme nicht von jedem nur positiv gesehen. Bei manchem kommt ein „Big-Brother-Gefühl“ auf. Die rheinland-pfälzische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Daniela Schmitt, betonte hingegen die Chancen, die mit diesen Daten verbunden sind. „Die möglichen Geschäftsmodelle sind noch lange nicht ausgeschöpft“, sagte sie. Aus Sicht der Kfz-Betriebe gehört dazu aber ein gleichberechtigter Zugang zu den Daten.

Abbildung: Auto-Medienportal.Net/Goslar Institut

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